Bundesligafinale Bogen: Ebersberg verteidigt den Titel

Die BSG Ebersberg hat in souveräner Manier den Titel des Deutschen Mannschaftsmeisters verteidigt

und zum zweiten Mal das Bundesligafinale Bogen in Wiesbaden gewonnen. Michelle Kroppen, Cedric Rieger und Maximilian Weckmüller

setzten sich im Finale gegen das Überraschungs-Team VC Villingen-Schwenningen 7:3

(59-56, 58-56, 58-59, 59-59, 59-57) durch. Bronze ging an BSC BB Berlin durch ein 6:2 (58-57, 59-55, 58-59, 59-57) gegen die FSG Tacherting.

Ebersberg2020

Foto: Eckhard Frerichs / Meisterspiegel, Goldmedaille, Blumen und Schampus für die BSG Ebersberg.

 

Goldfinale: Ebersberg gewinnt am Ende packendes Finale

Die Rollen waren klar verteilt: Auf der einen Seite der BSG Ebersberg, Titelverteidiger und mit Michelle Kroppen, Cedric Rieger und Maximilian Weckmüller mit drei absoluten Top-Schützen besetzt. Auf der anderen Seite der BC Villingen-Schwenningen, Südvierter und in der Besetzung Sarah Reincke (17 Jahre), Nico Schiffhauer (18) und Florian Faber (22) das mit Abstand jüngste Team in Wiesbaden. Ebersberg legte vor - und wie: Der Titelverteidiger begann mit einer 59 und zeigte dem Gegner gleich, dass der Meisterspiegel nur über ihn gehen wird. Die Dominanz Ebersbergs setzte sich fort, die jungen Südbadener schienen nicht mehr ganz so locker zu sein wie im Halbfinale (Reincke: „Im Finale war erst einmal der Druck abgefallen, deswegen sind wir schwächer gestartet!“), zudem übte das National-Trio mit gnadenloser Präzision Druck aus. Erst beim Stand von 0:4 fand Villingen wieder zur nötigen Lockerheit zurück und mit ihr die Zehner. Der verdiente Satzgewinn war die Folge, dann ein weiterer Punkt. So entwickelte sich doch noch ein packendes Finale, das Ebersberg mit einer starken 59-er Passe meisterwürdig zum 7:3 (59-56, 58-56, 58-59, 59-59, 59-57) beendete. „Wir mussten alles geben, um erneut oben zu stehen. Das ist keine Selbstverständlichkeit“, sagte Rieger und Weckmüller ergänzte: „Es war schwieriger als im vergangenen Jahr, weil es alle von uns erwartet haben, dass wir zumindest vorne mitschießen. Ich war nicht so nervös, weil ich wusste, dass wir in einem sehr starken Team schießen.“ Finalverliererin Reincke machte lachend eine logische Rechnung auf: „Im vergangenen Jahr gab es Bronze, jetzt Silber, nächstes Jahr werden wir Erster!“

„Im vergangenen Jahr gab es Bronze, jetzt Silber, nächstes Jahr werden wir Erster!

Sarah Reincke, BC Villingen-Schwenningen mit Kampfansage

Bronzefinale: Berlin rettet die Ehre des Nordens

Foto: Eckhard Frerichs / Gute Nachricht für alle Bogen-Fans:
Foto: Eckhard Frerichs / Gute Nachricht für alle Bogen-Fans: "Lisa is back".

Berlin gegen Tacherting hörte sich irgendwie nach Goldfinale an, war aber „nur“ das Bronzefinale. Die Tachertinger mussten unmittelbar nach der Halbfinal-Niederlage ran und erwischten vielleicht deshalb den schwächeren Start. Berlin, angeführt von einer sehr konstant schießenden Lisa Unruh, legte vor und zeigte sich auch im weiteren Verlauf zielsicherer als ihre Südkonkurrenten. Am Ende hieß es 6:2 (58-57, 59-55, 58-59, 59-57) und Lisa Unruh war zufrieden: „Wir hatten am Anfang der Wettkämpfe einige Schwierigkeiten, aber dann haben wir es sehr gut gemacht, ich bin sehr stolz auf uns, das haben wir gut gemacht" und fügte lachend hinzu: „Lisa ist back – zumindest auf 18 Meter!“ Für die Berliner war es die 18. (!) Medaille beim 23. Bundesligafinale (5x Gold, 6x Silber, 7x Bronze).

Halbfinals: Ebersberg unwiderstehlich, Villingen-Schwenningen sensationell

Die Ansetzung BSG Ebersberg – BSC BB Berlin versprach hochklassigen Bogensport. Und die über 1.000 Zuschauer kamen voll auf ihre Kosten, was bei der Anzahl der Kaderschützen – fünf der sechs Athleten sind Kandidaten für Tokio 2020 – zu erwarten war. Titelverteidiger Ebersberg setzte mit einer 60 in der ersten Passe gleich eine „Duftmarke“ und ging demnach in Führung. Da das Team weiter auf hohem Niveau agierte, hieß es am Ende 7:1 (60-56, 57-57, 59-58, 59-57).
Südmeister Tacherting war gegen Villingen-Schwenningen, das jüngste Team in Wiesbaden, Favorit. Doch das Überraschungs-Team ging 2:0, 3:1 und 4:2 in Führung und setzte den Tachertingern mit beeindruckender Konstanz auf hohem Niveau mächtig zu. Immer, wenn die Tachertinger dachten, sie hätten die Passe gewonnen, legten die Villinger nach und konnten am Ende über ein sensationelles 6:2 (57-55, 59-59, 59-59, 59-57).

Vorrunde: Villingen-Schwenningen liegt das „Pflaster“ Wiesbaden

Nach dem stimmungsvollen Einmarsch der acht Teams und der Auszeichnung für Florian Kahllund (Nord) und Cedric Rieger (Süd) als beste Einzelschützen der Vorrunde ging es gleich in die „Vollen“: Dabei sorgten die großen Außenseiter der Süd-Vierte BC Villingen-Schwenningen und der Nord-Vierte Sherwood BSC Herne, gleich für die ersten Überraschungen. Villingen zwang Nordmeister SV Dauelsen mit 7:1 in die Knie, Herne trotzte Südmeister FSG Tacherting ein 5:5 ab. Da Villingen auch gegen Querum siegte, machte das 0:6 gegen die überragenden Titelverteidiger aus Ebersberg nichts aus. Groß war die Enttäuschung beim SV Dauelsen um Spitzenschütze Kahllund, das alle drei Matches verlor. In Gruppe B setzten sich letztlich die zwei Favoriten durch: Rekordmeister BSC BB Berlin, der überraschend mit Lisa Unruh antrat, und Südmeister FSG Tacherting. Wobei Tacherting kämpfen musste, am Ende aber durch ein 6:2 gegen Berlin sogar den Gruppensieg einfuhr.
Bundestrainer Oliver Haidn sah sich bestätigt: „Ich habe natürlich die Teams mit den Kaderathleten vorne erwartet. Enttäuschend war sicherlich das Abschneiden des Nordmeisters SV Dauelsen, die man eigentlich im Halbfinale hätte erwarten können. Es spricht aber auch für den Süden, dass abermals drei Teams im Halbfinale stehen.“

   
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